Skandal um eine aufgespießte Ente

Letzte Woche veröffentlichte die Tierschutzorganisation Animal Equality Germany erschreckender Bilder einer Undercoverrecherche aus einem Entenmastbetrieb im Berliner Umland. Eine lobenswerte Aktion und zeitlich sehr gut getimed- schließlich rückt für viele in diesen Tagen mit jedem geöffneten Türchen im Adventskalender auch der Entenbraten näher.

Die zuerst auf Spiegel Online veröffentlichten Videoaufnahmen sorgten bundesweit für Aufruhe.Unter anderem ist zu sehen, wie eine Ente bei lebendigem Leib mit einer Mistgabel aufgespießt wird.

Fraglos ist dieser Vorgang schrecklich und verurteilenswert. Besorgt um den eigenen Ruf hat auch der Hauptabnehmer des Mastbetriebs, nämlich die Fläminger Entenspezialitäten GmbH (Tochtergesellschaft der PHW-Gruppe, Deutschlands Geflügelproduzent Nr 1 unter dem Markennamen Wiesenhof) es Animal Equality gleich getan und Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstatten. Außerdem wurden die Lieferverträge fristlos gekündigt.

Bei der Fläminger Entenspezialitäten GmbH, Tochtergesellschaft des größten deutschen Geflügelproduzenten Wiesenhof, war man, so der Pressesprecher, “sprachlos”, denn man könne absolut nicht nachvollziehen wie “so etwas” trotz regelmäßiger Schulungen, Richtlinien und Kontrollen passieren könne.

Nehmen wir doch mal an, die Ente wäre nicht totgeschlagen und aufgespießt worden und die Mitarbeiter im Betrieb, hätten sich Rechts- und Richtlinienkonform verhalten, so wie sie es in den angesprochenen Schulungen gelernt haben. Wäre dann alles gut?

Wohl kaum. Die Intensivtierhaltung ist ein gewinnorientiertes System. Ethik und Recht gehen in der Praxis zwangsläufig vor dem Gewinninteresse in die Knie. Die Tiere werden wie in einer Saftpresse ausgequetscht: unten raus kommt der maximale Gewinn bei minimalsten Kosten- so wie das überall in unserem Wirtschaftssystem der Fall ist.

Der eigentliche Skandal ist darum nicht etwa die aufgespießte Ente, sondern die Tatsache, dass es zum wiederholten Male erfolgreich gelungen ist der Öffentlichkeit derartige Vorfälle als Einzelfall zu verkaufen.