Wovon Schafe träumen. Das Seelenleben der Tiere. (J.F. Masson, 2006)

"Wovon Schafe träumen: Das Seelenleben der Tiere" hat mich von der ersten Seite an begeistert. Kein anderer als Masson hätte dieses Buch mit einer derartigen Überzeugungskraft zu schreiben vermocht. Auf wissenschaftlich-philosophische Manier entkräftet er über 300 Seiten das bekannte Totschlagargument der Agrarindustrie, dass die Diskussion über Emotionen bei Nutztieren sentimental, unwissenschaftlich und ergo unerheblich sei.


Das Buch

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Pro Kapitel wird das Seelenleben einer „Produktionsgattung“ thematisiert (Schweine, Hühner, Schafe & Ziegen, Kühe, Enten & Gänse). Umfassend wird das heutige Bild des jeweiligen „Nutztieres“ betrachtet und auseinandergenommen. Hier spielen die wilden Vorfahren der heutigen Hühner ebenso eine Rolle, wie die geschichtlich und religiös gestützten Annahmen über Schweine, die unser Bild überwiegend unbewusst noch heute prägen. Besonders interessant empfand ich in diesem Zusammenhang die religiöse Abwertung des Schweins als Resultat eines zwischenmenschlichen Konflikts zwischen Nomadenkulturen und sesshaften Bauern. (Nomaden, die mit Triebvieh umherzogen versus sesshafte Bauern, die von den Nomaden verachtet wurden und nebenbei u.a. Schweine hielten ).

Masson zieht durchgehen eine weite Bandbreite an Literatur zurate. Quer durch naturwissenschaftliche Veröffentlichungen und philosophische Abhandlungen bleiben wenig Wünsche offen. Angefangen bei Descartes, der mit seinem Ansatz Tiere seien Automaten ohne Bewusstsein, die Tierausbeutung in ihrer heutigen Form überhaupt erst ermöglichte über Darwin, für den die Existenz von Gefühlen bei Tieren unbestritten war, hin zum Begründer der modernen Tierrechtsbewegung Singer. Bezogen auf das tatsächliche Verhalten kommen aktuelle Experten wie u.a. John Webster (Schmerzphysiologie bei Tieren), Karen Davis (Gründerin der Tierrechtsorganisation United Poultry Concerns), aber auch enthusiastische Tierhalter (sprich „Laien“) zu Wort.

Selbstverständlich findet jedoch auch die Gegenseite Gehör: Masson besuchte einige Mastbetriebe und Viehmärkte und sprach dort mit Bauern und Händlern. Wenig überraschend ist hier die durchgängige Weigerung der Gesprächspartner ab einem bestimmten Punkt weiterzudenken und Verhaltensbeobachtungen mit faktischen Wissen über Tierwohlbefinden zu verknüpfen. Eingebettet in Massons brennendes und fundiertes Plädoyer führen diese sich ohne weiteren Kommentar selbst ad absurdum.


Meine Meinung
Ich kann die Lektüre dieses Buches wirklich nur empfehlen. Masson hält, was er im Titel verspricht: Anhand der vielen unterschiedlichen Quellen bekommt der Leser tatsächlich einen kleinen Einblick in das Seelenleben unserer Nutztiere. Da es außerdem wenig bis keine Grundkenntnisse in der Tierrechtstheorie erfordert, ist es besonders als Geschenk für interessierte Tierliebhaber zu empfehlen. Im Speziellen vielleicht für die, die aus ihrer Tierliebe bislang noch keine Konsequenzen für ihr alltägliches Leben (sprich Verzicht auf Tierprodukt) gezogen haben.