Rügenwalder auf Abwegen?

Gestern wurde ich beim Zappen auf meinem Laufband im Fitnessstudio mit einem neuen Werbespot des Wurstherstellers Rügenwalder Mühle konfrontiert.
Unter dem Titel "Vegetarier sucht lecker" schaukeln, faulenzen oder entspannen die Verpackungen einer neuen veganen Produktreihe vor bäuerlichem Ambiente. Da sich eine garantiert teure Werbeagentur über diesen Spot viele Gedanken gemacht hat, konnte auch ich nicht umhin, über dessen Botschaft nachzudenken. Herausgekommen ist dabei das Folgende:
Wenn tierleidfreie Verpackungen schaukeln, faulenzen und entspannen und den Landhausstil lieben, dann müsste das doch eigentlich auch für die Verpackungen von Qualprodukten gelten. Schließlich beherbergen diese ja tatsächlich die Überreste einst empfindsamer Lebewesen, die sicherlich auch gerne einmal gefaulenzt oder entspannt hätten. Leider kamen sie jedoch aufgrund ihrer "Bestimmung" als Wurst zu enden wohl niemals dazu.
Wenn also die Verpackungen für tierleidfreie Produkte als lebendig dargestellt werden und dies bei den Qualprodukten nicht der Fall ist, dann auch weil Rügenwalder mit diesem Spot nicht nur den Verkauf der neuen Produktreihe ankurbeln, sondern auch die  -erst in letzter Zeit ins Wanken geratene-
emotionale Trennung zwischen empfindsamenen Tieren und dem Endprodukt Wurst wahren möchte. Insofern zielt der Spot auf zwei Zielgruppen ab: Während dem gesundheitsbewussten Flexitarier die neue Produktreihe vorgestellt wird, verhärtet er gleichzeitig die Front der Fleischkonsumenten. Diese möchten ihr Essen nämlich überwiegend nicht als empfindsam assoziieren und werden somit in der Wahl der "unlebendigen" Wurstverpackungen bestätigt.
Diese Logik ist genauso verrückt wie das Vorhaben eines Wurstfabrikanten Vegetarier und Veganer als Konsumenten zu gewinnen. Naja, zumindest "Weiss man, wer´s macht", nämlich Christian Rauffus, Wurstfabrikant in sechster Generation und (angeblicher) Befürworter des Veggieday.  

 

Weiterführende Informationen über die Herkunft  weiterer Fleischersatzproduktlinien findet ihr übrigens sehr gut aufbereitet in der Vegan-Welt

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