Neue Fischereiquoten outen Nachhaltigkeitsziele 2020 als leere Versprechungen


In dieser Woche haben die EU-Staaten sich in Brüssel auf die Fangquoten für 2016 geeinigt. Erklärtes Ziel der Verhandlung war der nachhaltige Erhalt der Fischbestände.

Bereits im vergangenen Jahr waren die Quoten für zahlreiche Arten deutlich über den Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung angesetzt worden. Diese bereits im letzten Jahr als zu hoch zu beurteilten Fangmengen bleiben auch für 2016 überwiegend erhalten. Die Quoten für Seehecht, Hering. Schellfisch und Scholle wurden sogar deutlich erhöht (beispielsweise +36% bei Schellfisch, +19% bei der Scholle und 15% beim Kabeljau). Aufatmen kann die Makrele, ihre Fangquote wurde um 14% des aktuellen Wertes herabgesetzt. Auch der Dorsch darf sich erholen- er wird in der Ostsee gleich um 20% weniger befischt.

Auch wenn die neuen Fangquoten die leichte Erholung einiger Bestände zulassen, so sind sie doch noch lange kein Grund zu feiern: Nur mit viel Fantasie lässt sich in den aktuellen Beschlüsse das anvisierte Ziel in der Fischerei bis spätestens 2020 nachhaltig zu wirtschaften, erkennen.

 

 

Auch im Bezug auf den gerade beendeten Weltklimagipfel erscheinen mir die Beschlüsse als schlechter Scherz. Während die Welt dafür „kämpft“ die Klimaerwärmung zu begrenzen, wird munter weiter das -mehr als nur gefährdete- Ökosystem Meer zerstört. Neben der Übersäuerung durch C02, der Klimaerwärmung und der Meeresverschmutzung durch Schadstoffe jeder Art spielt ja schließlich auch die Zerstörung des Ökosystems Meer durch Überfischung eine wichtige Rolle für die für 2050 prognostizierten „leeren Meere“.

In den „leeren Meeren“ finden sich dann auch deutlich weniger Tiere und Pflanzen, die C02 aufnehmen, binden oder umwandeln könnten. Wenn meine Annahme stimmt, dann hätten die gegenwärtigen Entscheidungen zugunsten der Fischereiwirtschaft weitaus weitreichendere Folgen als es kommuniziert wird. Tatsächlich konnte ich der offiziellen Berichterstattung zur EU-Fischereikonferenz jedoch keine derartigen Diskussionen entnehmen. 

 

Unabhängig von dieser Überlegung, störe ich mich aber noch viel mehr an der offensichtlich lobbyistischen Handschrift der Beschlüsse. Die genauen Zusammenhänge innerhalb der unterschiedlichen Ökosysteme unserer Erde sind zu komplex und es ist zu wenig darüber bekannt, um gesicherte Prognosen über den Einfluss äußerer Faktoren geben zu können. Angesichts der Tatsache, dass diese Systeme aber mittlerweile schon so fragil, wenn nicht bereits im Zusammenbruch oder gar im Sterbeprozess ist, und die Zukunft der Menschheit angesichts der dramatischen Klimaveränderungen und der Vergiftung lebensnotwendiger Ressourcen wie Wasser und Böden sowieso am seidenen Faden hängt, kann es doch nicht ernsthaft sein, dass so wichtige Entscheidungen wie die Bewirtschaftung unserer Meere immer noch überwiegend durch die wirtschaftlichen Interessen von Lobbyverbände gestaltet werden. 

 

Das dies aber leider Fall ist, beweisen nicht nur die tatsächlichen Beschlüsse. Tatsächlich scheint der Einfluss der Lobbyisten sich auch auf die Post-Kommunikation zu erstrecken, denn auffälliger Weise wiederholen fast alle namenhaften Zeitungen und Portale immer wieder das Statement, des (relativ unbedeutenden) Fischereigenossenschaftlers Dieter Hillmann
"Die Fischbestände sind auf einem historischen Hoch, das spiegeln die jetzt höher angesetzten Fangquoten (in der Nordsee) gut wieder." Weil die Situation sich so deutlich verbessert und Warnungen vor Überfischung überholt seien, könnten die Verbraucher darum nun also unbesorgt wieder mehr Fisch kaufen.
 

 

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