Schmetterling im Hals: Die Schilddrüse bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

Viele von uns machen sich Gedanken um eine ausreichende Nährstoffversorgung während der veganen Schwangerschaft. Oft auch schon lange bevor es überhaupt soweit ist. 

 

In deinem Hals wohnt ein Schmetterling. Von Medizinern wird er auch als Schilddrüse bezeichnet. Warum dieses Organ mehr Aufmerksamkeit verdient hat und was genau die Schilddrüse mit Kinderwunsch und Schwangerschaft zu tun hat, liest du hier.  

 

Das walnussgroße Organ in deinem Hals "beflügelt" dich. Sie kurbelt deinen Stoffwechsel an und bringt dich so überhaupt erst in "Schwung" - körperlich wie psychisch.

Stimmt etwas mit der Funktion deiner Schilddrüse nicht, wirst du trotz Zykluskalender und bestem Timing nur schwer schwanger. Bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft kann es sogar zur Fehlgeburt kommen und Entwicklungsstörungen des Kindes die Folge sein. 

 

Mehr als Grund genug also der Schilddrüse einmal mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Die Funktion der Schilddrüse

Die Schilddrüse schüttet zwei Hormone aus. Diese werden T3(Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin) genannt. Von der Schilddrüse aus gelangen die Hormone ins Blut und regulieren den gesamten Energiestoffwechsel des Körpers, zu dem auch die Verdauung, das Wachstum, sowie die Leistungsfähigkeit von Muskeln und Nerven gehören.

 

Wie viel T3 und T4 zum jeweiligen Zeitpunkt auszuschütten ist, wird wiederum durch das Gehirn - genauer die Hypophyse-  wiederum mittels Hormonausschüttung geregelt. Das Hormon der Hypophyse heißt TSH (Thyreoida = Schilddrüse stimulierendes Hormon). Es sorgt als Botenstoff dafür, dass die Hormonproduktion in der Schilddrüse „angekurbelt“ oder „gebremst“ wird.

 

Gerät die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht, dann treten eine Vielzahl von teilweise schwer zu zuordenen Sympthomen, wie starke Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme, Frieren (Unterfunktion) oder Ruhelosigkeit, starkes Schwitzen, starke Gewichtsabnahme, erhöhte Pulsfrequenz (Überfunktion) auf.

 

Die Schilddrüse und der weibliche Zyklus

Knapp zusammengefasst kann man sagen, dass die Schilddrüsenhormone und die Sexualhormone (vor allem die den Zyklus regulierenden Hormone Östrogen und Progesterol) einander beeinflussen. Geraten also die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, hat dies einen direkten Einfluss auf den Zyklus- oder genauer gesagt- die Eizellenreifung. Ganz konkret wird dies dann auch an einer stark verkürzten oder verlängerten Zyklusdauer sichtbar.

 

Die Schilddrüse in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft benötigt der Körper mehr Energie, um auch das im Mutterleib wachsende Kind versorgen zu können. Damit vermehrt Energie umgesetzt werden kann, muss die Schilddrüse auch vermehrt Hormone bereitstellen – bis zu 50%! Im Zusammenhang mit der erhöhten Leistung tritt auch häufig eine leichte Organvergrößerung, sprich eine Zunahme des Halsumfangs, auf.

 

Die von der Mutter produzierten Schilddrüsenhormone gelangen über die Plazenta zum Embryo und beeinflussen so dessen körperliche und geistige Entwicklung. Ab der 12. Schwangerschaftswoche beginnt die Schilddrüse des Kindes dann langsam selbst mit der Hormonproduktion.

 

Fehlfunktionen können dem Kind gefährlich werden

Jede Schilddrüsenstörung der Mutter kann sowohl die Entwicklung des Kindes als auch dessen Schilddrüsenfunktion negativ und irreversibel beeinflussen.

 

Kommt die Schilddrüse mit der Hormonproduktion nicht hinterher, wie es bei einer Unterfunktion der Fall ist, dann führt dies zu einem Mangelzustand bei Mutter und Kind. Fehlgeburten und Entwicklungsstörungen sind die Folge. 

 

Aber auch eine Überfunktion der Schilddrüse kann problematisch werden. Auch hier steigt die Wahrscheinlichkeiten für Früh- und Totgeburten. Typisch ist außerdem ein stark herabgesetztes Geburtsgewicht.

 

Außerdem stellen auch die schilddrüsenbezogene Autoimmunerkrankungen Morbus Basedow und Hashimoto – bleiben sie unbehandelt- eine weitere Gefahr für die gesunde Entwicklung des Kindes dar. Durch die autoimmune Antikörperreaktion ist das Risiko für Fehlgeburten weiterhin erhöht.

 

Die Folgen einer unerkannten Fehlfunktion der Schilddrüse können also immens sein.
Die gute Nachricht ist allerdings, dass eine Funktionsstörung sich mit der richtigen Untersuchung gut feststellen und in der Regel auch behandeln lässt.

 

Schilddrüsencheck vor der Familienplanung

Die meisten Schilddrüsenfehlfunktionen werden wohl bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch diagnostiziert. Verzweifelt und nach teilweise jahrelangem Üben suchen sie eine Kinderwunschpraxis auf, um dort nach einem Bluttest zu hören, dass sie aufgrund einer Über-/Unterfunktion der Schilddrüse überhaupt gar nicht schwanger werden konnten.


Diesen Leidensweg kannst du dir ganz einfach ersparen, wenn du bereits zu Anfang deines Kinderwunsches einen Bluttest machen lässt. Diesen kann sowohl dein Gynäkologe, als auch der Hausarzt vornehmen. Getestet werden sollten sowohl TSH, als auch T3 und T4.


Möglicher Weise musst du den Test selbst bezahlen, da ihn die meisten Krankenkassen nicht ohne „Anfangsverdacht“ übernehmen. Ein solcher besteht allerdings, wenn es in deiner Familie schon Schilddrüsenerkrankungen gegeben hat oder auch wenn du an möglichen Symptomen leidest. Angesichts der Bandbreite der möglichen Symptome sollten sich diesbezüglich eigentlich keine Schwierigkeiten ergeben. Falls du trotzdem selbst zahlen musst, belaufen sich die Kosten laut meinen Recherchen aktuell auf ca. 30 €. 

 

Bei Auffälligkeiten zum Endokrinologen

Sollten die Werte eine Funktionsstörung nahelegen, so wird dich dein Arzt an einen Endokrinologen (Arzt für Drüsen und Hormone) verweisen. Dieser wird dich dann nach weiterer Diagnostik je nach Funktionsstörung auf ein Medikament einstellen und deine Werte zukünftig regelmäßig überwachen. 

Die meisten dieser Medikamente werden heutzutage synthetisch hergestellt und sind – sofern sie keine zugesetzte Laktose enthalten – vegan. Informiere dich aber am Besten trotzdem noch einmal genauer. Es sind vereinzelt auch immer noch "natürliche" Medikamente aus gefriergetrocknetem Schilddrüsenextrakt von Schwein und Rind auf dem Markt.

Jod für die gesunde Schilddrüse

Weil die Schilddrüsenhormone u.a. aus Jod (TriJODthyronin und TetraJODthyronin) hergestellt werden, ist eine ausreichende Jodversorgung maßgeblich wichtig für die korrekte Funktion der Schilddrüse.
Sofern also keine Fehlfunktion festgestellt wurde (In diesem Fall wird teilweise vom Jodkonsum abgeraten, die Empfehlung ist jedoch sehr umstritten), solltest du auf eine ausreichende Jodversorgung achten. Für einen Erwachsenen liegt der Tagesbedarf bei 180-200 Mikrogramm. Bei Schwangeren steigt er laut DGE auf 230 µg/Tag und bei Stillenden noch einmal auf 260 µg/Tag.

 

Deutschland gilt als sogenanntes Jodmangelgebiet, da das Spurenelement in unseren Böden nur sehr geringfügig vorhanden ist. Um einem Jodmangel der Bevölkerung wird darum seit 1989 ein Teil des Speisesalzes jodiert. 

Wer nicht regelmäßig sein Essen versalzen möchte, der sollte die pflanzlichen Jodquellen Algen (vor allem die Nori-Alge), Champignons, Brokkoli, Erdnüsse, Spinat und Kürbiskerne regelmäßig in den Speiseplan integrieren. Eine weitere Möglichkeit sind natürlich Jodtabletten, die Gynäkologen gerne an Schwangere verschreiben, aber bei einer ausgewogenen und überlegten veganen Ernährung nur selten notwendig sind.

 

Funktionsstörungen im Verlauf der Schwangerschaft

Oft treten Funktionsstörungen der Schilddrüse auch erst im Verlauf der Schwangerschaft auf. Viele Gynäkologen überwachen die Schilddrüsenwerte ihrer Patientinnen routinemäßig, aber leider tun das noch längst nicht alle. Deswegen ist es umso wichtiger, dass du auf eine Blutuntersuchung der entsprechenden Werte bei den routinemäßigen Untersuchungsterminen bestehst. Oft werden nämlich gerade in der Schwangerschaft die Symptome einer Fehlfunktion übersehen. Schließlich können die „Schwangerschaftsbgeleiter“  wie zB. starke Müdigkeit und Stimmungsschwankungen auch gleichzeitig mögliche Anzeichen der Schilddrüsenfehlfunktion sein.

 

Schilddrüsenfreundliche Ernährung

Neben Jod ist auch die ausreichende Versorgung mit Vitamin A, den B-Vitaminen sowie Selen und Zink für eine gute Funktion der Schilddrüse unverzichtbar. Mehr darüber, wie du dich während optimal mit diesen Nährstoffen versorgst, erfährst du in Kürze in meinem Blog.

 

Weiterlesen: Wenn du dich noch mehr mit der Schilddrüse und ihrer Bedeutung für Kinderwunsch und Schwangerschaft beschäftigen möchtest, dann empfehle ich dir folgende Quellen:

 

Eine gute Beschreibung der Funktion der Schilddrüse findet sich auf PubMedHealth und hier kannst du dich umfassend über die Schilddrüse und die Auswirkung von Fehlfunktionen in der Schwangerschaft informieren.

 

Konnte dir mein Artikel weiterhelfen? Und was hast du bislang für Erfahrungen mit der Schilddrüse in Bezug auf Kinderwunsch und Schwangerschaft gemacht? Hast du noch Tipps und Tricks für andere Leser? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Disclaimer: Alle hier abgebildeten Informationen entsprechen meiner eigenen gewissenhaften Recherche. Ich bemühe mich stets alles so genau wie möglich nachzuvollziehen, um es dann für dich kurz, informativ und lesbar wiederzugeben. Da ich allerdings weder Medizinerin, Biologin, noch Chemikerin bin, können auch mir trotz ausführlicher Recherche Fehler unterlaufen. Meine Beiträge können und sollten darum auch niemals einen ärztlichen Rat ersetzen. 

 

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